Die aktuelle Lage

Laut der Bundeszahnärztekammer fehlen in Deutschland tausende zahnmedizinische Fachangestellte. Die Tendenz ist steigend. Besonders kleinere Praxen in ländlichen Regionen spüren den Druck: Wer eine Stelle ausschreibt, wartet oft Monate auf eine einzige Bewerbung. In Ballungsräumen ist die Situation etwas besser, aber auch dort wird der Markt enger.

Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur ZFA, sondern zunehmend auch Prophylaxe-Fachkräfte, Dentalhygienikerinnen und Praxismanagerinnen. Die Folge: Überstunden, Überlastung und im schlimmsten Fall Behandlungsstopp bei vollem Terminkalender.

Warum Nachwuchs ausbleibt

Die Gründe sind vielschichtig. Einige der zentralen Faktoren:

  • Die Ausbildung zur ZFA wird im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen als wenig attraktiv wahrgenommen, insbesondere bei der Vergütung.
  • Die körperliche Belastung im Praxisalltag – langes Stehen, gebückte Haltung, enge Räume – schreckt Bewerber ab.
  • Viele ausgebildete ZFA verlassen den Beruf nach wenigen Jahren, häufig in Richtung branchenfremder Tätigkeiten mit besserer Bezahlung oder flexibleren Arbeitszeiten.
  • Die demografische Entwicklung verschärft das Problem: Es gibt schlicht weniger junge Menschen, die in den Arbeitsmarkt eintreten.

Was Praxen tun können

Ausbildung stärken

Praxen, die selbst ausbilden, sichern sich langfristig ihren Nachwuchs. Dabei geht es nicht nur darum, Ausbildungsplätze anzubieten, sondern die Ausbildung aktiv attraktiv zu gestalten. Strukturierte Ausbildungspläne, regelmäßige Feedbackgespräche und eine feste Ansprechperson machen einen messbaren Unterschied bei der Abschlussquote.

Arbeitgebermarke aufbauen

Zahnarztpraxen stehen im Wettbewerb um Fachkräfte – auch mit Kliniken, MVZ und fachfremden Branchen. Ein professioneller Internetauftritt, transparente Informationen zu Arbeitszeiten, Gehalt und Fortbildungsmöglichkeiten sowie ein gepflegtes Profil auf Jobportalen helfen, sich von der Konkurrenz abzuheben.

Arbeitsbedingungen verbessern

Flexible Arbeitszeitmodelle, Teilzeitoptionen und die Möglichkeit, Überstunden tatsächlich abzubauen, gehören zu den am häufigsten genannten Wünschen von ZFA in Befragungen. Auch betriebliche Zusatzleistungen wie Fahrtkostenzuschüsse, Fortbildungsbudgets oder betriebliche Altersvorsorge wirken als Bindungsinstrument.

Quereinsteiger integrieren

Einige Praxen setzen erfolgreich auf Quereinsteiger aus verwandten Bereichen – etwa aus der Pflege, der Medizintechnik oder der Hotellerie. Die Einarbeitung dauert länger, aber mit einem strukturierten Onboarding-Prozess lassen sich auch fachfremde Mitarbeiter in Empfangs- und Verwaltungstätigkeiten einsetzen.

Digitalisierung als indirekter Hebel

Automatisierte Prozesse können den Personalbedarf zwar nicht eliminieren, aber reduzieren. Wenn Terminvereinbarungen, Erinnerungen und Dokumentenmanagement weniger manuelle Arbeit erfordern, bleibt dem bestehenden Team mehr Zeit für die eigentliche Patientenversorgung. Das senkt die Belastung und kann die Fluktuation verringern.

Der Fachkräftemangel lässt sich nicht kurzfristig lösen. Aber Praxen, die frühzeitig an Attraktivität, Ausbildung und Prozessoptimierung arbeiten, stehen in fünf Jahren deutlich besser da als solche, die nur auf den nächsten Bewerber warten.

Fazit

Der Personalmangel in der Zahnmedizin ist strukturell und wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter verschärfen. Praxen, die jetzt aktiv werden – durch bessere Ausbildung, attraktivere Arbeitsbedingungen und effizientere Prozesse – können dem Trend entgegenwirken. Es gibt keine Einzellösung, aber die Kombination aus mehreren Maßnahmen zeigt in der Praxis messbare Ergebnisse.